Auf der Suche nach Fleisch (kein Kanonenfutter)


A
A
Auf der Suche nach Fleisch (kein Kanonenfutter) (1/1)
Archäologische Arbeitsplätze bei Fleischbänke am Heiligen Geist Straße
Archäologische Arbeitsplätze bei Fleischbänke am Heiligen Geist Straße
Danziger Touristischen Organisation

Und entgegen der landläufigen Theorie über die mittelalterliche Askese war die Nachfrage nach Fleisch groß. Somit musste es auch entsprechend viele Orte geben, wo man es kaufen konnte, und sie mussten vertrauenswürdig sein. So gehörten die Fleischbänke der Fleischerzunft. Um den Titel eines Meisters in der Zunft zu erhalten (in der Rechtstadt im Jahr 1331) musste man eine Fleischbank besitzen.

Die Fleischbänke befanden sich in der Rechtstadt, in der Altstadt und Jungstadt sowie in der Vorstadt. In der Altstadt gab es 56 solche Fleischstände, in der Vorstadt (heute Alt genannt) 30 und in der Rechtstadt sogar 80. In der Rechtstadt waren sie zu je 20 in 4 Reihen aufgestellt.

Und wie haben sie ausgesehen? Jede von ihnen diente als ein eigener Laden. Und jede hatte eine bewegliche Platte, die tagsüber als Theke diente und nachts gehoben wurde, wie ein Fenster, das von unten verschlossen wird.

Das Fleisch wurde von einer Zwei-Mann-Kommission, die durch die Zunft bestimmt wurde, beschaut. Die Kommission war auch für die Preise verantwortlich, die oft einfach vom Aussehen des Fleisches abhingen. Wie jeder "Supermarkt" hatten natürlich auch die Fleischbänke ihre Ordnung. So durfte man zum Beispiel nicht die Käufer laut zu sich rufen, verboten war auch das Drohen mit dem Messer. Die Fleischbänke verloren an Bedeutung, als die Fleischer im 16. Jahrhundert gemäß dem vom König erhaltenen Privileg das Fleisch direkt an der Stelle, wo sie das Vieh gehalten haben, handeln durften. Danach, bereits im 19. Jahrhundert wurde die Markthalle eröffnet und die Fleischbänke sind aus dem Stadtbild verschwunden.

Denken wir noch einmal an die Fleischbänke, wenn wir zum Beispiel die Fleischergasse in der (Alten) Vorstadt entlang gehen. So folgen wir den Spuren der Fleischbänke. In der Rechtstadt waren die Fleischbänke zwischen der Heilig-Geist-Gasse und dem Pfarrhaus. Man sagt, dass die Platten mit den Vieh-Darstellungen, die sich im Beischlag eines der Bürgerhäuser in der Frauengasse befinden, eben von den Fleischbänken stammen.