Danzig von Bord einer Galeere

Wir erzählen über die Danziger Galeere. Man darf die Galeere, von der wir hier sprechen, nicht mit einer typischen Galeere verwechseln. Diese Galeeren waren mediterrane geruderte Kriegsschiffe und dort vegetierten Sklaven, die an die Ruder angekettet waren.

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Danzig von Bord einer Galeere (1/1)
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Unsere Galeeren waren Flussschiffe, die in Danzig wohl bekannt waren. Denn nach Danzig wurde das Getreide aus Polen auf dem Wasserweg gebracht. Diese Flussschiffe hatten keine Segel, nur Ruder. Ein solches Schiff war rechteckig. Sowohl der Bug als auch das Heck (das bedeutet der vordere und der hintere Teil) waren leicht angehoben, zum Schutz vor Wasser. Auf dem Heck befand sich das sog. Schiffsführerhäuschen, an dem das Steuer angebracht war. Darauf wurde ein Bolzen montiert, das bedeutet eine Stahl- oder Messingwalze, durch den sich das Steuer drehen konnte. Das Ladevermögen eines Flussschiffs betrug meistens von 4,5 bis 6,5 Lasten. 1 Last beträgt umgerechnet ca. 3000-3800 Liter.

Die Besatzung des Flussschiffs bestand aus 6 bis 8 Flößern. Als Flößer arbeiteten meist Bauern aus den Dörfern, die an den Flüssen lagen, auf denen die Waren befördert wurden. Sie haben ihren eigenen Dialekt, eigene Bräuche und eine eigene Folklore entwickelt. Sie wurden zu einer farbenfrohen Abwechslung im geordneten Leben der Handelsstädte. Die Flussschiffe brachten ein (relativ kleines, aber immerhin ausreichendes) Einkommen, denn nach Erreichen des Fahrtziels wurden sie auseinander gebaut und das Holz wurde anderweitig verwendet.

Und warum erzählen wir so viel darüber, wo es doch gar keine Gotik ist?

Also, in dieser Touristensaison sind Flussschiffe für Touristen vis a vis des Krantors (also doch Gotik) nach Danzig gekommen. Schnittig, klein, mit Sitzbänken und Schwimmwesten zur Sicherheit der Reisenden. Eine zusätzliche Attraktion ist der Reiseführer "Danzig von Bord einer Galeere" und die ausgezeichnete Gesellschaft der heutigen Flößer.

Diese modernen Galeeren für Touristen sind natürlich nicht zum einmaligen Gebrauch, also wenn man es in dieser Saison nicht schafft, sollte man Danzig unbedingt im Frühling besuchen, um eine Reise auf der Mottlau zu genießen. Denn hier war ja der wichtigste Hafen Polens, das Goldene Tor des Polnischen Königreichs.

Eine Reise mit einer modernen Galeere bietet viele Eindrücke, denn die Stadt sieht vom Wasser aus ganz anders aus. Und wer möchte denn nicht genauso wie ein Flößer in alten Zeiten ganz nah an das berühmte Krantor heranfahren?

Man kann also die neue Attraktion Danzigs ruhig auf die Liste der Attraktionen der Stadt an der Mottlau eintragen.