Der heilige Georg vom Artushof

Eines der Bauwerke der Europäischen Route der Backsteingotik, das man unbedingt besichtigen muss, ist der Artushof am Langen Markt. Eine Sehenswürdigkeit ist hier die Skulptur an der nördlichen Wand des großen Saales.

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Der heilige Georg vom Artushof (1/1)
Artushof
Artushof
Danziger Touristischen Organisation

Es ist die Ende des 15. Jahrhunderts entstandene, polychromierte Holzplastik des hl. Georg. Man hält sie für eines der herrlichsten Kunstwerke dieser Art, die in jener Zeit an der Ostsee entstanden. Was zeigt uns aber diese Skulpturengruppe?

Am Fuß eines Felsens, auf dessen Gipfel eine Stadt mit einer Burg liegt, ringt der hl. Georg mit dem Drachen. Die Mauern und die zahlreichen Wehrtürme scheinen einen sicheren Schutz zu gewähren. Doch zuerst muss Georg die Bestie besiegen und dadurch die unbefleckte Dame befreien, die in der Ecke kniet und die Hände zum Gebet faltet. Der mit lieblichen Zügen versehene, stattliche Jüngling muss einen gefährlichen Kampf ausfechten*.

Der Ritter hat ein unrealistisch schönes, nahezu mädchenhaftes Antlitz. Er trägt einen reichen Harnisch, ein purpurrotes, im Wind flatterndes Halstuch und als Fußrüstung die Schnabelschuhe (Sabatons) à la poulaine. Der damaligen Mode entsprechend hatten sie lange Spitzen, die den Träger am Gehen hinderten. Was tut man aber nicht alles, um schön auszusehen? Die Idee der Skulpturengruppe ist die Darstellung des Kampfs des Guten mit dem Bösen? Sie mutet allerdings unnatürlich an, als wenn es ein Bild für den Umschlag einer Illustrierten wäre.

Im Falle der im Mittelalter, in der Zeit der Gotik also, entstandenen Werke weiß man meist nicht, wer ihr Erschaffer war. Eine Ausnahme waren natürlich die Werke der Architekten- und Bildhauerfamilie Parler von Prag. Im Falle der in den 1480er-Jahren entstandenen St. Georg-Gruppe können wir wohl auf Hans Brandt hinweisen, dem wir das Kenotaph des hl. Adalbert in Gnesen verdanken. Die Danziger Archive erwähnen seinen Aufenthalt 1485 im Zusammenhang mit seiner Beteiligung am Bau der Pfarrkirche in der Rechtstadt. Wir vermuten, dass er in dieser Zeit auch die herrliche Skulpturengruppe schuf.

* Über die ganze Geschichte berichtet die Legenda aurea von Jacobus de Voragine.