Näpfchen

Eine Messe um Mitternacht, und plötzlich fallen die Worte, denen das Ausschalten der Beleuchtung folgt. Die Menschen verlassen die Kirche und stehen auf der Straße. Der Pfarrer nimmt einen Stock, oder wenn man will - einen Feuerbohrer zur Hand; jemand hält Hobelspäne, ein anderer trockene Holzstäbchen. Sie lehnen den Stock an die Kirchenmauer. Und fangen an zu drehen. Als wolle man Feuer entzünden. Sie fachen das Feuer an. Sobald die Flamme erscheint, wird eine Kerze an sie gehalten. Das ist die Osterkerze. An dieser werden die Gläubigen ihre eigenen Kerzen entzünden. Das hier nur kurz beschriebene Pascha-Mysterium ist die Feier der Osternacht. Sie beginnt also frühestens nach Sonnenuntergang und endet spätestens vor der Morgendämmerung.

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Näpfchen (1/1)
Näpfchen
Näpfchen
Katarzyna Czaykowska

Und was hat unsere Überschrift damit zu tun?

Nun, so einiges.... Wenn man Danzig besichtigt, sollte man sich die Ziegel an den südlichen oder westlichen Fassaden der Kirchen genau ansehen. Manchmal muss man sich etwas tiefer beugen und die Ziegel berühren, manchmal auch den Steinsockel. Mit der Hand wird man die Näpfchen leicht erspüren. Als hätte man sie mit einem Eisportionierer gemacht. Das sind die Näpfchen, die nach der Verwendung der Feuerbohrer geblieben sind.

Wie entstanden sie denn?

In der Zeit vor Christi wurde der Zeitraum des heutigen Ostern als ein Übergang von der Dunkelheit zur Helligkeit gefeiert. Von der Dämmerung zum Leben. Und das Feuer schenkt uns Leben. Am besten, wenn man es anfacht, denn man wusste, dass das Feuer, welches durch Funkenschlag entstand, von Dämonen stammt. So fachte man das Feuer eben mithilfe der Feuerbohrer an. Anfangs fand das Anfachen auf einem Opferaltar oder einem Sockel der jeweiligen Gottheit statt, später an den Sockeln oder gar Wänden der Kirchen. Und daher stammen diese seltsamen Spuren an den Mauern. Ein Ende des Feuerbohrers war an einem Holzbrettchen und ein anders eben an die Wand gelegt.

Wenn man also durch die Gassen von Danzig wandert und die gotischen Kirchen der Stadt besichtigt, sollte man nicht nur die Kirche als Bauwerk bewundern, sondern auch den Ziegeln Beachtung schenken, die sich in Brusthöhe, manchmal etwas darunter befinden. Wir können mit ihrer Hilfe die wunderbare Geschichte der Intensität des Kults ablesen. Solche Spuren findet man jedoch an den aus dem 19. Jahrhundert stammenden Ziegeln nicht mehr. Der Brauch, das Feuer an der Wand zu entfachen, ist nämlich mit der Ausbreitung des Protestantismus nach und nach ausgestorben.

Und wie ist es heute? Nun ja, heute kennen wir schon andere Methoden, um Feuer zu entfachen.