Stadt der Legenden

Der berühmte, aber leider bereits verstorbene Prof. Jerzy Samp hat Danzig als die Stadt der "magischen Räume" bezeichnet. Wenn Sie sich auf die Suche nach diesen Räumen machen wollen, sollten Sie also unbedingt sein Buch kaufen mit dem viel versprechenden Titel "Ein Festmahl des Jahrhunderts. Alte und neue Legenden von Danzig".

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Stadt der Legenden (1/1)
Die schöne Muttergottes aus Danzig
Die schöne Muttergottes aus Danzig
ks. T. Frymark / Gehört: Marienkirche in Danzig

Man sagt, dass man Legenden nicht bekämpfen, sondern erzählen soll... Es darf also bei unserer Besichtigung an Legenden nicht fehlen.
Lauschen wir also einigen Erzählungen über Danzig. Und beginnen wir gleich mit der Marienkirche (Kathedralbasilika der Himmelfahrt der Allerheiligsten Jungfrau Maria in der Rechtstadt). Besichtigt man das Gotteshaus, kann man die Skulptur der Madonna in der St.-Anna-Kapelle nicht übersehen. Die Steinskulptur entstand Anfang des 15. Jahrhunderts und gilt als eines der bedeutendsten Beispiele der mittelalterlichen Bildhauerkunst.

Schließen wir also für einen Moment die Augen und hören wir uns die dazu gehörende Geschichte an. Vor vielen, vielen Jahren verliebte sich ein junger Geselle in die Frau seines verstorbenen Meisters. Sein Rivale war sein Kumpane. Ein Nichtsnutz und Raufbold. Beide zankten oft nach der Arbeit bei einem Bier in einer Hafenschenke, wer von ihnen bessere Chancen hatte, das Herz der Frau zu erobern. Der Zank wurde zum Streit. Und der Streit verwandelte sich in Hass. Und wie so oft, endete die Auseinandersetzung mit einer Schlägerei.

Als die jungen Männer begannen, sich zu schlagen, zog der Raufbold auf einmal ein Messer. Jedoch stolperte er über einen Stein und fiel zu Boden. Unser Held ließ sich zu ihm herab und merkte mit Entsetzen, dass sein Kumpane nicht mehr lebte, denn er hatte sich mit seinem eigenen Messer verletzt. Obwohl er unschuldig war, wurde der Geselle verhaftet und wegen des scheinbaren Mordes zum Tode verurteilt. Weder seine Beteuerungen, noch die Fürsprache der Witwe halfen. Dem Verurteilten blieb nur noch das Gebet zur Jungfrau Maria. Und weil ihm das Recht zustand, dass ihm vor der Hinrichtung ein letzter Wunsch erfüllt wird, bat er um Bildhauerwerkzeug und um einen Stein.

Und am nächsten Tag entdeckten die Wächter, die den Jungen an den Ort der Hinrichtung führen sollten, in dessen Gefängniszelle eine wunderbare Skulptur. Die alarmierten Stadtväter befanden nach der Begutachtung dieses Kunstwerks, dass nur ein unschuldiger Mensch eine so schöne Madonna schaffen konnte. Und - wie es in den Legenden passiert – wendete sich damit alles zum Guten...