Stadt klingt

Die heutigen Danziger können eine Einwohnerkarte bekommen. Sie bietet zahlreiche Preisnachlässe und Möglichkeiten, an verschiedenen Ereignissen in der Stadt teilzunehmen. Und wie sah einst die Teilnahme am Leben der Stadt aus? Zum Beispiel im Mittelalter?

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Heute muss man in der Stadt geboren sein oder sich ganz einfach anmelden, um Einwohner von Danzig zu werden. Wirklich ganz einfach.

Aber im Mittelalter musste man ab dem Jahr 1342, um Bürger der Stadt zu werden, ein Jahr und einen Tag in der Stadt wohnen. Und außerdem gab es zwei Arten des Bürgerschaft. Die kleine und die große. Ein Bürger der Stadt konnte ein Mann werden, dessen Herkunft bestätigt wurde, das bedeutet, dass er aus einem ehelichen Verhältnis stammte, in der Stadt lebte, sich zum anerkannten Glauben bekannte, aber auch wohlhabend sein musste, um die Steuern zu bezahlen und andere städtische Pflichten zu erfüllen. Das Bürgerrecht garantierte einen weit reichenden Schutz und auch die Möglichkeit, Immobilien in der Stadt zu erwerben und Berufe auszuüben, die ausschließlich den Bürgern vorbehalten waren (einer davon war zum Beispiel der Bäckerberuf). Das Bürgerrecht erlaubte auch, sich um öffentliche Ämter zu bewerben. Um Bürger einer Stadt zu werden, musste man entsprechende Gebühren entrichten, die nicht gering waren. Um jedoch in Danzig wohnen zu dürfen, musste man nicht gleich um die Bürgerschaft ersuchen, nur bedeutete das Wohnen in der Stadt ohne dieselbe, dass man nicht in den Genuss der vollen Rechte kam.

Die Reichsten (Patrizier) haben sich im Artushof getroffen, sie haben die Stadt verwaltet, Altäre gestiftet, auf den Bänken im Artushof Platz genommen, oft mit dem Ziel, in den Adelsstand erhoben zu werden, und das gelang vielen Danzigern tatsächlich. Die Übrigen (das gemeine Volk) haben sich zu Gilden und Zünften zusammengetan, haben eigene Kapellen unterhalten, Verordnungen erlassen und Gesellen ausgebildet. Und die Ärmsten (der Pöbel) haben oft keine Steuern bezahlt, denn sie hatten ganz einfach kein Geld. Über sie sagt die Geschichte nicht viel, sie sind nicht verewigt in der Geschichte der Stadt.

Die Kinder der wohlhabenden Bürger sind in die Pfarrschulen gegangen, um lesen und schreiben zu lernen. Denn jeder Kaufmann musste diese Fähigkeit beherrschen, um seine Geschäfte erfolgreich zu betreiben und die Korrespondenz mit Kaufleuten in anderen Hansestädten zu führen. Oder um die erste städtische öffentliche Bibliothek, die im Pfarrhaus der Marienkirche eröffnet wurde, zu besuchen.