Und in der Mühle...

Es ist leicht, die Spuren von Gotik in der Architektur und in der Kunst der Kirchen von Danzig zu entdecken. Aber wirklich nur dort?

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 Die Große Mühle
Die Große Mühle
Danziger Touristischen Organisation

Nachdem sich Anfang des 14. Jahrhunderts die Ritter des Deutschen Ordens in Danzig angesiedelt hatten, fingen sie fast sofort an, unzählige Investitionen zu tätigen. Die Mauern, die Marienkirche, und die Stadtmühle... Natürlich groß und an die Ambitionen und Bedürfnisse der wachsenden Stadt angepasst. Um jedoch diese Bedürfnisse und Ambitionen zu erfüllen, musste sie gut funktionieren, und dazu brauchte sie Wasser.

Im zwei Tagesreisen (mit Pferdewagen, denn allein mit einem Pferd reichte ein Tag) entfernten Marienburg wurde solches Wasser schon früher mit einem Kanal zugeführt. Also wollte man auch in Danzig so verfahren. Die Mottlau eignete sich dazu nicht, denn an diesem Fluss lag der Hafen (um die Geschichte kurz zu machen). Man musste also ein anderes Wasser "finden"... Und so wurde in einer Entfernung von mehr als 3 Meilen (ca. 12 km – 1 Preußische Meile – 1 Kulmische Meile = 3766 m. Werte von der Mitte des 15. Jahrhunderts) südlich von Danzig, in einer Flussschleife der Radaune (in der Nähe von Praust) mit dem Bau eines Kanals begonnen, der nach Danzig führen sollte. Heute ist er als Radaunekanal bekannt.

Der Radaunekanal sollte nicht nur die Mühle antreiben. Er sollte auch Trinkwasser in die Stadt bringen, den Wassergraben speisen und Verunreinigungen abführen.

In der Altstadt wurde an der Kanalgabelung in der Nähe der St.-Katharinen-Kirche eine künstliche Insel errichtet, die man Radaune-Insel nannte. Und auf dieser Insel wurde ein gewaltiger Betrieb gebaut. Die Große Mühle. Das mehrere Stockwerke hohe Dachgeschoss diente als Lager für Getreide und Mehl. Die Mühle wurde zuerst durch 12 und später sogar durch 19 große Mühlräder angetrieben. Mitte des 15. Jahrhunderts haben dort bis zu 22 Menschen gearbeitet. Die eigentliche Tätigkeit der Großen Mühle war natürlich das Mahlen von Roggen und Weizen, aber auch die Verarbeitung von Hafer und Gerste zu Malz. Die Produktion diente den Bäckern und den Bierbauern, sowohl aus der Altstadt als auch aus der Rechtstadt. Es soll betont werden, dass die Mühle innerhalb eines Jahres 7000 Lasten verarbeitete, das bedeutet 15 505 t (1 Last = 2215 kg).

An all das sollte man denken, wenn man die Große Mühle nach Spuren von Gotik untersucht.