Und unter der Erde...

Wer sich schon genug am Anblick der gotischen Backsteinkirchen in Danzig erfreut und sie alle gezählt hat, sollte unbedingt die unterirdische Struktur der Stadt kennenlernen.

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Und unter der Erde... (1/1)
Der Romanische Keller
Der Romanische Keller

Aber wo denn genau?

Um den Ort zu erreichen, muss man sich zur Markthalle begeben. Die Markthalle in Danzig befindet sich auf dem Dominikanerplatz, zwischen den Straßen ul. Panska und Lawendowa und dem Altstädtischen Graben. Unsere Halle steht dort seit 1896. Auf dem Gelände eines Friedhofs aus dem 10.-13. Jahrhundert und dort, wo einst die St. Nikolai-Kirche stand, deren Fundamente man in der Halle sehen kann, in der Pause zwischen dem Einkauf von Schinken und Hähnchen...

Der Romanische Keller befindet sich an der südlichen Seite der Halle, am Gemüsemarkt. Man erreicht ihn durch einen auf dem Markt befindlichen Pavillon und verlässt ihn durch einen anderen.

Warum ein Keller und warum romanisch?

Vor Jahrhunderten lag die Stadt auf einer viel tieferen Ebene, als es heute der Fall ist. Im Laufe der Zeit kamen Schichten von Dreck, Exkrementen, Abfall und Dung dazu, die jeweils mit Stroh, Sand oder Grassoden bedeckt wurden. Dadurch befinden sich die heutigen Straßen um mindestens 3-4 Meter über denen des Mittelalters. Manchmal sieht man das an den Eingängen zu Kirchen, wenn man einige Stufen oder Treppen runtersteigen muss. Das ist der Abstieg ins Mittelalter.

Und so ist es auch hier. Als man die Artefakte Ende 2005 Anfang 2006 bei Ausgrabungen entdeckte, waren die Archäologen von deren Architektur und Reichtum begeistert. Dies sind in Danzig die einzigen Relikte romanischer Architektur.

Bei dieser Gelegenheit wurden circa 1000 Gräber und 4 Ossuarien, mit Bestattung verbundene Denkmale aus dem 11. Jahrhundert und Devotionalien aus dem 13. Jahrhundert entdeckt. Es wurde auch zahlreiche Keramik entdeckt. Die Untersuchungen über die Bestimmung des Raums, der sich heute unter der Erde befindet, haben gezeigt, dass man keinen Keller, sondern ein Refektorium entdeckt hatte. Ein Refektorium, das bedeutet ein Raum in einem Kloster, in dem man die Mahlzeiten einnahm und in welchem Treffen abgehalten wurden.

Heute kann man diesen besonderen Danziger Innenraum besichtigen. Für diejenigen, die sich für seine Geschichte interessieren, hat das Archäologische Museum einen Film und eine Tonaufzeichnung vorbereitet. Man kann auch die in Schaukästen ausgestellten Exponate, die einen Teil des Funds darstellen, bewundern. Dieser Ausflug in das 13. Jahrhundert erinnert ein wenig an eine Theateraufführung.